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Von der Unterwäsche zu Dessous

Von der Unterwäsche zu Dessous

Die nicht mehr ganz Jungen unter uns mögen sich vielleicht noch erinnern. Wenn auch vielleicht nur mit Schaudern – an jene Zeiten, da Dessous noch Unterwäsche hießen und schamhaft unter der weiblichen Oberbekleidung versteckt ein trauriges und vernachlässigtes Schattendasein fristeten. Obwohl dies vielleicht auch besser war – schließlich waren die noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg üblichen Schnür-Korsetts wahrhaft steife Panzer, die ihrer Trägerin zudem keinerlei Bewegungsfreiheit und Luft ließen – Unterhosen waren auch im Sommer mindestens knielang, dick gestrickt und beulten schnell unschön aus.

Kein Wunder, dass in diesen Jahrzehnten das geflügelte Wort vom „Liebestöter“ die Runde machte. Vielleicht war jene textil demonstrierte Prüderie der Grund dafür, dass zeitgleich eine Blütezeit der Nachtclubs und Show-Bars begann, in denen junge und hübsche Frauen genau das offen zeigten, was sich eine „anständige“ Frau gar nicht erlauben konnte – eben Reizwäsche, die Vorläufer der Dessous der modernen Frau von heute.

Doch bis die Zeit der Dessous für die Durchschnittsfrau gekommen war – als die Zeit der prickelnd erregenden Verpackungen, aus dem der Durchschnittsmann mit ungebremster Vorfreude einen echten Leckerbissen auspacken darf – musste die Gesellschaft noch lange warten.

Die ersten Umbruchsignale ergaben sich in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Studenten gegen das Establishment rebellierten und mit ihrem Freigeist die sexuelle Revolution einläuteten. Auf einmal war es „in“, sich der dicken Leibchen, Strickstrampler und Korsetts zu entledigen – und stattdessen so gut wie gar nichts drunter zu tragen. Von wegen BH – Frau ging „oben ohne“ unter der Hippie-Bluse, sie trug maximal einen der neuen modischen Slips aus der ebenfalls neuen elastischen Trikotware, die endlich auch im Textilsegment „Unterwäsche“ Hautfreundlichkeit möglich machte.

Fast ohne oder ganz ohne Wäsche – die ganz neue Freiheit eben – wurde von den Frauen genossen, und die Männer fanden es sexy. Doch zum Einen werden selbst lang entbehrte und sehr schöne Dinge irgendwann einmal langweilig, andererseits lässt ein hohes Maß an Freizügigkeit oft keinen Platz mehr für die hohe Kunst der Verführung. Eine Entwicklung, die der Handel in den 90er Jahren recht schnell erkannte und auf die er reagierte, indem er sein Angebot an Unterwäsche peu à peu umstrukturierte. Im Zuge des Wirtschaftsbooms hatten die Frauen nämlich plötzlich grundsätzlich mehr Sinn für schöne Dinge und die genussvollen Seiten des Lebens – sie machten sich wieder mit Bedacht zurecht und wünschten ihre Weiblichkeit in vollen Zügen zu genießen.

Dazu gehörte natürlich Körperlichkeit – und die wollten sie mit Unterwäsche, welche aufgrund ihrer Optik von nun an den Namen Unterwäsche nicht mehr verdiente und treffend in „Dessous“ umbenannt wurde, ins beste Licht rücken. Damit war nicht unbedingt etwas Neues geboren – denn die aus schwarzer und bunter Spitze gefertigten, mit Satinbändern geschmückten Torseletts, BHs und Höschen waren ja eigentlich ein alter Hut. Der Unterschied bestand lediglich darin, dass genau jene Kleidungsstücke, in die sich früher nur die verachtenswerten Tänzerinnen und Prostituierten hüllten, auf einmal „salonfähig“ waren und auch von den sozial voll anerkannten Damen der Gesellschaft getragen wurden.

Inzwischen sind IHRE Dessous ein fester Bestandteil der Mode und ebensolchen saisonalen Veränderungen unterworfen wie die Oberbekleidung, auch sie folgen den wechselnden Trends. Auch sie wird von modischen Strömungen mitgerissen – und so demonstriert sich der für diesen Herbst/Winter 2011 angesagte Retro-Trend auch in dem, was SIE „unten drunter“ trägt. Im Detail bedeutet dies, dass BHs und Slips den Stil der 40er und 50er Jahre verkörpern und wieder größer werden, Corsagen und Torseletts bleiben „en vogue“.

Hinsichtlich der Materialien wird es blickdichter – eben so, wie vor dem Zweiten Weltkrieg üblich. Spitze ist auf dem Rückzug, Samt und Satin dagegen kommen. Ganz sicher wird das wieder eine prickelnde Saison für Dessous, auf die sich nicht nur Frauen, sondern auch die Männer als „Mitgenießer“ freuen dürfen.

Bildquelle: © Daniel Bujack – Fotolia.com


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